Soziale Jugendarbeit – Mitglieder des „HFC-Fanszene“-Vereins schenken „Roxy“-Kindern Zeit
HALLE. Die Fans des Halleschen Fußballclubs gerieten in der Vergangenheit immer wieder in Negativschlagzeilen. Doch die Szene ist nicht homogen. Der im Jahr 2008 gegründete Verein HFC-Fanszene, unter dessen Dach 14 Fanclubs vereint sind, gibt durch sein soziales Engagement einen etwas differenzierteren Einblick in das Wesen und Wirken der Anhänger des Halleschen Fußballclubs. Eine ganz besondere Beziehung haben zum Beispiel rund 20 rot-weiße Fans zum „Roxy" in Halle-Neustadt.
Bereits im März 2009 trafen sich Mitarbeiter des Streetwork-Fanprojektes der Stadt Halle und Vertreter des HFC-Fanszene-Vereins mit Mitarbeiterinnen der Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis, um Möglichkeiten gemeinsamer sozialer Projekte zu sondieren. Inzwischen haben die Fans unter anderem Sanierungsarbeiten in mehreren Kindergärten geleistet und sich mit sportlichen Angeboten am Internationalen Tag des Ehrenamtes beteiligt. Der HFC selbst nimmt seine soziale Verantwortung ebenfalls sehr ernst und unterstützt die Fans bei deren Engagement.
Etwa 20 HFC-Fans schenken den Kindern und Jugendlichen des „Roxy", einer Freizeiteinrichtung des Internationalen Bundes im Südpark in Halle-Neustadt, regelmäßig Zeit. Sie spielen und basteln mit ihnen, backen gemeinsam Pizza oder beteiligen sich an den künstlerischen Arbeiten für die „Roxy"-Galerie „Kunststoff". Da einige Fans aus der südlichen Neustadt stammen und sich viele Kinder der Einrichtung für Fußball interessieren, bestehen zahlreiche Berührungspunkte. Es wird nicht nur gemeinsam Fußball gespielt, sondern die Fans informieren über ihre Vereins-Aktivitäten sowie interessante Erlebnisse rund um den HFC. Eine große Weihnachtsüberraschung für die Kids waren die Gratis-Eintrittskarten für ein Spiel im neuen Stadion.
Das „Roxy" wiederum organisiert die jährlichen Kinder- und Jugendfestspiele in Halle-Neustadt mit den städtischen Streetworkern mit oder ist beim HFC-Familientag aktiv. Die Mädchen und Jungen der Einrichtung besuchen hin und wieder das Fanhaus der Stadt Halle in der Kantstraße und bringen kleine Geschenke für den Kinderbereich dort mit. Steffen Kluge, Leiter des Streetwork-Fanprojektes der Stadt, erachtet es als wichtig, über den Fußball hinaus soziale Jugendarbeit in der Fanszene zu leisten, um extremen Tendenzen zu begegnen. Durch die Verbindung zahlreicher HFC-Anhänger zu Halle-Neustadt und zum „Roxy" böte sich die Zusammenarbeit mit dem freien Träger der Jugendarbeit dort sehr an. Und sie habe sich bewährt.
Die gemeinsamen Begegnungen in der Freizeiteinrichtung, zu denen bis zu 50 junge Leute nach dem Unterricht kommen, werden auf Fotos festgehalten und münden aktuell in ein neues Kunstprojekt. Die Fotografien werden in etwa 30 von den Kindern grafisch gestaltete Bilder in den halleschen Farben weiß und rot mit schwarz eingearbeitet. Die Werke sollen voraussichtlich im Februar im „Roxy" und dann in der VIP-Lounge des HFC ausgestellt werden. Geplant ist es darüber hinaus, die expressiven Motive auf T-Shirts und Postkarten verewigen zu lassen.
Nicole Seifert vom „Roxy" sieht in der Kooperation mit den HFC-Fans einerseits eine gute Möglichkeit, sich auf tolerante Art mit verschiedenen Lebenswelten vertraut zu machen und sich füreinander zu engagieren, andererseits im sozial problematischen Stadtteil sinnvolle Freizeitangebote vorzuhalten und Kreativität zu fördern.
„Fanprojekte sollen Fanszenen nicht in erster Linie befrieden", äußerte einmal Michael Gabriel, Leiter der Koordinierungsstelle Fanprojekte, sondern Jugendliche, die sich zum Fußball hingezogen fühlten, „in die bürgerliche Gesellschaft begleiten". DFB-Präsident Theo Zwanziger gab 2008 zu bedenken, dass Gewalt ein gesellschaftliches Phänomen sei, und dass Fußball meistens Menschen aus unterschiedlichen sozialen und kulturellen Kreisen friedlich zusammen führe.









